Endlich ist es soweit: Das von den Fans geforderte Max-Morlock-Stadion kann endlich Realität werden. So würde ich das vermutlich formulieren, wenn ich bei irgendeiner Zeitung angestellt wäre und den Bericht fertig kriegen müsste – schließlich muss auch noch von der neuen Umgehungsstraße und vom Stadtrat berichtet werden. Als Fan und Glubb-Blogger schaut man da ein bisschen anders hin.

Was passiert da überhaupt? Erstmal völlig wertfrei: Die Stadt Nürnberg sucht jemanden der für den Stadion-Namen bezahlt, da dieses Geld der Frankenmetropole fehlt (da schon verplant) und ein Investor versucht die Sache für sich als lohnend zu gestalten. Ökonomisch gesehen also ein völlig normaler Vorgang, der nahezu von jedem Profi-Verein meist erfolgreich praktiziert wird.

In einer „der größten Crowdfunding-Aktionen Deutschlands“ versucht nun die Consorsbank (Eine Direktbank der französischen BNP Paribas S.A. mit Sitz in Nürnberg) 800.000 € bei den Fans einzusammeln (als Gegenleistung gibts Geschenke) um „die Namensrechte des Stadions“ für 3 Jahre zu erlangen. Den Rest der 3,2 Millionen, die die Stadt als Stadion-Eigentümer dafür verlangt, übernimmt die Consorsbank höchstpersönlich, zusammen mit den wohl recht üppigen Ausgaben für Werbeaktionen, Plakate und Imagefilm (siehe Bild, ich und Fahnenmeier waren dabei). Die Bank möchte aber nicht den eigenen Namen an der Außenfasade sehen, sondern den von einigen Fans geforderten Namen „Max-Morlock-Stadion“. So weit, so gut.

Dreharbeiten zum Imagefilm

Doch nun haben wir in Nürnberg mal wieder eine Sondersituation um nicht zu sagen eine sonderbare Situation: Funktioniert das in vielen Städten schon seit Jahren und lassen sich teilweise große Unternehmen das ordentlich was kosten, dass der Firmen-Name mit dem Bauwerk gleich gesetzt wird (z.B. AllianzArena, Commerzbank-Arena), so hat man am Dutzendteich mit „easyCredit-Stadion“ dieses Thema ziemlich versaut. Denn der Versuch der TeamBank den Namen eines Produktes zu verwenden war so dämlich (man stelle sich mal vor, in Fröttmaning stünde eine „Risikolebensversicherungs-Arena“ 😉 ) und bei den Fans unbeliebt, dass sich da kaum einer rantraut. Damit das Ansehen eines Unternehmens zu steigern, gelingt in Nürnberg weniger gut als bei anderen Stadien.

So hat also die Consorsbank einen wie ich finde originellen Weg gefunden, das Ansehen zu steigern, da man nicht das Firmenlogo auf die Gegengerade zaubert, sondern lieber einen verdienten Spieler des 1.FC Nürnberg ehrt. Nur spielen da natürlich nicht alle Fans sofort jubelnd mit. Denn wie CU schon vor Wochen richtig erkannt hat, lassen „sich die Ultras nicht vor nen Karren spannen“ – schon gar nicht wenn es um Sponsoring geht.

Wollen die Fans die Umbenennung?

Gehen wirs mal so an: Fordern das wirklich „die Glubbfans“ oder ist das nur eine Gruppierung, so wie „die Ultras“ oder ein Fanclub? Bei den Jungs von Clubfans-United zeigt eine Umfrage, dass derzeit 47% lieber beim Namen „Frankenstadion“ bleiben würden – schließlich heißt ja auch die S-Bahn-Haltestelle immer noch so. Die Forderer und Förderer des „Max-Morlock-Stadions“teilen sich auf in „würde das Crowdfunding unterstützen“ und „wenn dann länger als 3 Jahre MMS„. Zufällig wird auch diese These von der Umfrage bei CU unterstützt: Beide ca. 16%! Im Übrigen sind eingefleischte Ultras ohnehin gegen Kommerz beim Fussball und lehnen diese Aktion wohl ab. Aber natürlich will ich nicht verheimlichen, dass es auch große Kritiker der ganzen Aktion gibt, weil wohl nicht geregelt sei, wie weit die Rechte am Namen „Max Morlock“ an die Bank übergehen und dass die Bank den Ultras, die viel Arbeit in die Aktion „Max-Morlock-Stadion jetzt“ gesteckt haben, diese Leistung raube (via Frankofantast).

Sind 800.000 Euro überhaupt zu schaffen?

Die Nürnberger Nachrichten berichten dass es für die einzelnen Beiträge auch gestaffelte Merchandising-Artikel gibt: Pins ab 10 Euro, Poster ab 30 Euro, T-Shirts ab 50 Euro! Dadurch versucht man sicherlich den gleichen Effekt zu erzielen wie der FC St.Pauli mit seinen „Retter-T-Shirts“ Anfang des Jahrtausends: Jeder kann zeigen, dass er ein Unterstützer des Fanwunsches ist – gerade Exil-Franken werden da gerne zuschlagen, denke ich. Dennoch wären das immerhin 16.000 Shirts die verkauft werden müssen – ungefähr, denn schließlich zahlt der Fan-Club Max Morlock alleine schon 1.500,-Euro ein. Ich stell mir das zu schaffen sehr schwierig vor… aber wer weiß, 20,-Euro tun keinem weh und solche kleinen Beträge darf man schließlich auch einzahlen.

Stadt Nürnberg

Die Stadt Nürnberg natürlich hat größtes Interesse daran, dass endlich der Name verkauft bzw. gemietet wird. Denn der Kommune fehlt die jährliche Million in der Bilanz, da die Summe ja schon fest im Hauhalt verplant ist – genaugenommen verliert die Stadt sogar Geld, weil sich das ganze so lange hinzieht.

Ich finde…

…dass das jeder für sich selbst entscheiden sollte. 😉

Nein ernsthaft: Ich für meinen Teil finde die Aktion von Consorsbank gut, weil sie endlich diese peinliche „Herz statt Gier“-Aktion von Markus Söder vergessen lässt und weil die Bank ihren Namen NICHT auf das Stadiondach zimmert!

Zudem liebe ich MEIN Nürnberg und mir blutet das Herz, dass die genauso klamm ist wie MEIN Glubb! Darum darf das mit dem Stadion-Namen nicht erneut schief gehen, denn sonst traut sich da gar keiner mehr ran und meine Stadt verarmt völlig.

Des weiteren ist eine Verweigerungshaltung gegenüber Kommerz vor allem im Profifussball unsinnig, denn so wird das Spiel nun mal gespielt, ich hätts mir nicht so ausgesucht, aber es ist so. Denn diese Jungs, die sich nach einem Tor auf das Wappen auf der Brust schlagen, verdienen fürstlich und klopfen im nächsten Jahr bei einem guten Angebot eben auf ein anderes Wappen.

Wem das nicht passt, dem schlage ich völlig ernst gemeint die SpVgg Hüttenbach-Simmelsdorf vor, wo Euer Eintrittsgeld die wirklich tolle Arbeit von Trainer Trauner unterstützen kann – und sensationelle Spiele gibts dort auch!

Ich werde….

…mich also an der Crowdfunding-Aktion beteiligen, für meine Stadt! Mit welchem Betrag weiß ich noch nicht, könnte aber auf das T-Shirt hinauslaufen.

https://maxgemeinsam.de

Aber da mir der Vorschlag vom Frankofantast „lieber dem 1.FC Nürnberg etwas zu spenden„, da ders schließlich auch nötig hat, auch ganz gut gefällt, werde ich dort auch noch etwas hinüberweisen:

Spendenkonto:

Empfänger: 1. FC Nürnberg
IBAN: DE 46 77 069 46 1000 64 00000
Verwendungszweck: Spende für den 1. FCN e.V.

Oder am besten gleich Mitglied werden beim Ruhmreichen 1.FC Nürnberg (hier), ich bins schon! 🙂

Auf dass wir in diesem Stadion bald wieder unser Team in der ersten Liga sehen dürfen – egal wie das Stadion dann heißt! 🙂


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8 Kommentare zu “Crowdfunding Max-Morlock-Stadion: Was soll man tun?”

  1. shultzie sagt:

    Während Du beim Filmdreh warst, habe ich mich zeitgleich beim Botschafter-Stammtisch in der Clublounge mit zwei Verantwortlichen von Consors unterhalten. Das war echt sehr aufschlussreich, das sind auch keine Anzugtypen, eher Fans wie wir! Und die haben mich schon auch so überzeugt, dass ich da meinen Beitrag leisten werde.

    Und mal so ganz nebenbei: viele haben ja Angst, dass dann in 3 Jahren wieder ein anderer Name an „unserem“ Stadion prangt. Aber mal ehrlich: welches Unternehmen würde sich denn diese Negativpromotion antun, dafür verantwortlich zu sein, dass das Stadion nicht mehr nach der großen Ikone Max Morlock benannt wird, sondern nach Firma XY? Von daher ist das erst recht nochmal ein Grund, das zu unterstützen.

    Übrigens treffen sich die Botschafter heute vor dem Spiel um 17.45 Uhr an der Ecke Karl-Steigelmann-Straße und Max-Morlock-Platz, da ist ein Bus von „Max gemeinsam“. Wenn Du also schon vorher da bist, würd mich freuen, wenn Du mal auf nen Sprung vorbeikomsmt 🙂

  2. Cool, danke. Ich weiß noch nicht wie ich es zeitlich schaffe heute, also vor dem Spiel irgendwo zu sein.
    PS: Ich war an dem Donnerstag bei den Dreharbeiten und danach in der Lounge. Hama und knapp verpasst?

  3. Didi sagt:

    Ich gehöre ja zu den 47% der „Frankenstadion“-Befürworter. Letztendlich gehe ich aber eh „zum Glubb“ oder „ins Stadion“,da wird auch ein MMS nichts ändern.So ein personalisierter Name klingt für mich immer sperrig. Ansichtssache, ich weiß.

    Bekommt die Stadt tasächlich die 3,2 Mio oder gehen da nicht noch die Aufwendungen für die Werbeaktionen etc. ab?

    Ob die Stadt nach den 3 Jahren tatsächlich noch gute Vermarktungschancen hat, kann bezweifelt werden. Ein neuer Name würde sich nur schwer durchsetzen lassen, wenn die Fans „Max-Morlock“ durchgesetzt haben. Welcher Sponsor würde also hier Geld der Stadt zur Verfügung stellen ohne irgendeine Gegenleistung erwarten zu können?

    Ich bleibe gespannt, wie die Aktion ausgeht…
    Sersn
    Didi (vom fcnforum)

    PS: 3 Punkte gegen den KSC im Stadion wären saugut!!!

  4. Ich denke, dass die Stadt der Consorsbank hier besondere Konditionen eingeräumt hat, schließlich gehört die Stadtreklame ja der Stadt. Den was man so im Stadtbild sieht is ja der Wahnsinn. Bei den 3,2 Mio denke is sind die Gelder an die Stadt dabei und die Kosten für Beschilderung und Stühle-Umbau.

  5. shultzie sagt:

    Ja, anscheinend haben wir uns da knapp verpasst! Wir haben noch gesehen, wie nach dem Dreh die Fans so nach und nach das Stadion verlassen haben, da standen wir schon draußen, vor der Lounge…

  6. Ich bin im Video einmal zu erahnen, aber erkennen tut man mich nicht. Is aber cool geworden. Bist Du zu sehen, shultzie?

  7. Übrigens stehen auf der Maxgemeinsam.de die Zahlen wer was bezahlen möchte. Derzeit sinds 25.145,00 €!!

  8. […] Crowdfunding Max-Morlock-Stadion: Was soll man tun? […]

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