Alle Jahre wieder treffen sich die Mitglieder des 1. FC Nürnberg zur Jahreshauptversammlung um die Geschäftsberichte zu hören, Aufsichtsräte zu wählen oder lustige Geschichten am Mikrofon zu erzählen. Ok, einige nutzen das auch zur Selbstdarstellung oder um Vereinsgremien zu beschimpfen. Langweilig wirds also selten, mir persönlich fehlt aber die Ernsthaftigkeit, die eine solche Veranstaltung verdient hätte.

Zu Beginn dürfen die Bilder sprechen: Eine Truppe die von Sieg zu Sieg eilt, eine Truppe die trotz Scheiterns in der Relegation vom eigenen Anhang gefeiert wird, eine Truppe die kurz vor der JHV zum Glück noch schnell 2x gewonnen hat.

Dann der Auftritt von Michael Meeske und der Erkenntnis, dass Verluste und Minuszeichen selten sympathischer vorgestellt wurden. Das “negative Eigenkapital” (das es eigentlich nicht geben sollte, denn es sollte immer positiv sein) stieg bzw. fiel von 3,2 Mio auf 5,1 Mio.! Also gab es trotz der Verkäufe von Stark und Schöpf einen Verlust von 1,9 Mio. (hier auch bei sponsors.de). Eigentlich hätte ich da erwartet, dass die Mitgliedsausweise auf die Bühne fliegen. Doch Meeske hat den entscheidenden Vorteil: Es ist nicht seine Schuld. Dazu noch seine sympathische Eloquenz, die trotz unzähliger Fachbegriffe immer den Eindruck erweckt, als würde er uns das “jetzt mal erklären”. Oben drauf gibts noch einen Ausblick in die Zukunft und Beschwichtigung “wir haben das gröbste überstanden und sind auf dem richtigen Weg”. Tut gut.

Dann “muss” Bornemann ans Pult und er jammert wie schon im letzten Jahr, dass es nach dem redegewandten Meeske besonders schwer wäre. Und in der Tat, es fällt auf: Bei seinem durchwachsenen Bericht fühlt man sich nicht in den Arm genommen wie beim Ex-Paulianer zuvor. Aber auch er zeigt auf, was der kurzfristig denkende, täglich Zeitung lesende Fan voll Ungeduld nicht sieht: Es haben uns doch ganz schön viele wichtige Spieler verlassen (waren gut für 48 Tore) und das was neu gekommen ist, ist sehr spät gekommen, quasi zum Ende der Vorbereitung. Dazu noch der Wechsel von Trainer Weiler zum RSC Anderlecht und fertig is der Fehlstart. Ich mag diese unaufgeregte Betrachtung fern von jeder “Wir müssen den Trainer feuern”-Panik.

Dann aber verwandelte sich der “Möchte-gerne-mal-wieder-Bundesligist” mit Millionenumsätzen in einen Provinz-Verein mit “Peter Steiners Theaterstadel-Gesicht”: Jaja, es gibt viele Glubberer in Fürth und “des bläide Gwaaf vo die Arbeitskolleeechn” wenn der Glubb verloren hat, is schlimm. Dann natürlich auch Zeit für harsche Kritik und Angriffe gegen die Aufsichtsräte. Ganz besonders von einem gewissen Herrn Kurzmann, den die meisten Mitglieder wohl noch aus den letzten Jahren kannten und ordentlich mit Pfiffen bedachten.

Absoluter Tiefpunkt die Präsentation einer email eines ehemaligen Bisping-Mitarbeiters, der angeblich bestätigte dass im Falle von “morbus bisping” er gar nicht krank gewesen wäre, sondern gearbeitet hätte (wegen der kurzfristigen Krankmeldung von Johannes Bisping war eine Aufsichtsratssitzung abgesagt worden). Demnach also wäre ein Selbständiger trotz Krankheit in seiner Firma gewesen, wie ungewöhnlich. Und ein Ex-Mitarbeiter hat auch sicherlich heere Ziele, wenn er sowas ausposaunt. Zumal diese Sitzung nicht zur Entlassung von Bader hätte führen können, da Beschlussfassungen immer in der Tagesordnung angekündigt werden müssen. Also wieder mal viel (Schmieren-)Theater um nichts.

Keine Entlastung für Bader

Wie auch im letzten Jahr ging es um die Entlastung der Vorstände. Meeske, Bornemann und auch Hamm wurden fast einstimmig entlastet, für eine Entlastung von Martin Bader stimmten 202 Mitglieder, dagegen 603! Es hat wohl keinerlei rechtliche Relevanz, aber immerhin senden die Mitglieder erneut einen deftigen Denkzettel in Richtung Hannover. Völlig richtig meiner Meinung nach!

Müller, Bisping und Gunkler im Aufsichtsrat

Dann die Wahlen zum Aufsichtsrat und die Erkenntnis, dass sich einige Kandidaten wohl nicht ausreichend Gedanken gemacht haben. So konnte Herr Steiner zwar mit zwei Mineralien bildlich seinen Slogan “Stein, Steine, Steiner” präsentieren, fing dann aber an seine zukünftigen Kollegen zu beleidigen. 

Besser da Dr. Obenauf, der ebenfalls mit einem Wortspiel seinen Namen einprägen wollte (“Soll der Glubb unten bleiben oder endlich wieder obenauf…”), danach aber eine mit Medizin-Metaphern gespickte Rede präsentierte, die auf jeder Krankenhaus-Weihnachtsfeier Vergnügen bereiten würde. Selbstredend wählen die Mitglieder aber Personen, die ein entsprechendes Auftreten haben oder entsprechende Kenntnisse vorweisen können. So wie Norbert Gunkler, der als Finanzexperte wohl die Geschäftslage des FCN genauer beurteilen kann und es mit 423 auf die drittmeisten Stimmen brachte. Johannes Bisping machte den Eindruck seine 3 Minuten aus dem Stegreif zu füllen, aber sein Fachwissen und seine bisherige Arbeit überzeugte 523 Mitglieder. Bei Maximilian Müller stellte ich mir die Frage, was ihn als Hockey-Olympiasieger zum Aufsichtsrat befähigt. Aber seine Art, sein Auftreten, sein Wissen zeigt einen Gewinner, den 712 gerne beim Glubb sehen wollen.

Kurz vor Schluss dann noch mal Kurzmann mit einem überraschend vernünftigen Antrag auf Satzungsänderung: Die Bilanzzahlen sollen weit vor der JHV veröffentlicht werden und für Mitglieder in der Geschäftsstelle einzusehen sein. Sogar die komplette Vorstandschaft stimmt dafür. Kurzmann scheitert in der zweiten Auszählung. Tja, jeder andere hätte das wohl durchgebracht, aber dazu hätte man mal nett sein müssen.

Der Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Grethlein bedankt sich bei den Mitgliedern für ihr kommen und schließt die Versammlung um 0:21 Uhr.

Kapitalgesellschaft “Profifußball unter den Bedingungen des Profifußballs”:

Immer wieder wurde das Thema “Ausgliederung der Profimannschaft in eine Kapitalgesellschaft” angeschnitten, es wurde dafür geworben es nicht kategorisch abzulehnen, aber jeder achtete peinlichst darauf, nicht als der “KG-Treiber” dazustehen. 

Doch der 1.FC Nürnberg muss sich auf die Zukunft vorbereiten, und da wäre es fahrlässig nicht jede Möglichkeit zumindest zu diskutieren. Was der Glubb aber in jedem Fall braucht, ist eine professionellere Versammlung. Man möchte doch verdiente Ex-Spieler wie zum Beispiel einen Andreas Köpke in den Vereinsgremien sitzen haben und seine Kontakte nutzen. Doch ist die Frage ob der sich sowas antut und sich in einer solchen Veranstaltung bepöbeln ließe.

Alles für rot-schwarz 

Uli Digmayer von der NN siehts ähnlich: “Das positivste Signal aus der Meistersingerhalle


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2 Kommentare zu “JHV beim FCN: Die KG wirft ihre Schatten voraus – wieder keine Entlastung für Bader”

  1. shultzie sagt:

    Tolle Zusammenfassung! Vielleicht sollten wir bei der nächsten JHV einfach mal einen Antrag stellen, Kurzmann nicht mehr zur JHV zuzulassen, würde uns allen viel Zeit und Nerven sparen… 😉

    Eine Anmerkung noch zum negativen Eigenkapital: Blum ging ja ablösefrei zum 30.6., ist also zum Bilanzstichtag noch in den Spielerwerten enthalten. Die Ablöse von Füllkrug fällt dann erst ins laufende Geschäftsjahr, wer weiss wieviele Raten unser Ex-Vorstand da ausgehandelt hat… 😉

  2. Ah, gut mitgedacht, danke. Das änder ich ab. 🙂

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